Lenkgetriebe Aktivlenkung - Revisionsversuch

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Lenkgetriebe Aktivlenkung - Revisionsversuch

    Servus zusammen,

    wie in einem anderen Thread schon angekündigt, werde ich versuchen, ein Lenkgetriebe von meinem E61 zu revidieren.
    Um das ganze nicht zu einfach werden zu lassen, ist es gleich noch eines für die Aktivlenkung :)

    Schauen wir mal, ob sich alle Dichtungen und evtl. Lager auftreiben lassen...

    Ein Großteil ist schon zerlegt. Leider gibts von der Arbeit selbst kaum Fotos, da Fotografieren mit dreckigen Handschuhen nicht immer so toll ist ;)
    Die Reihenfolge ist jedoch ganz einfach.
    Ausgangslage ist ein ausgebautes Lenkgetriebe ohne die beiden Spurstangen und bereits entferntem Kabelbaum.
    Genug Lumpen parat legen! Da ist noch einiges an Öl drin...

    - Servotronikventil demontieren
    - Magnetverriegelungs-Aktuator des Elektromotors entfernen
    - Vier Hohlschrauben von den beiden externen Hydraulikleitungen raus schrauben (Ich erinnere an die Lumpen!) - Achtung! In den Anschlüssen an den Leitungen sind Dichtungen drin.
    - Die zwei großen Inbusschrauben des obersten Elementes raus schrauben und das Element vorsichtig mit Drehbewegungen und leichtem Zug vom Lenkgetriebe lösen
    - Die drei Schrauben des Elektromotors entfernen und den Motor raus ziehen (Drehen + etwas ziehen)
    - Die zwei großen Inbusschrauben des mittleren Elementes vom Lenkgetriebe lösen und auch hier etwas drehen + ziehen, um das Gehäuse des Planetengetriebes zu lösen - ACHTUNG das Planetengetriebe ist "lose" in dem Gehäuse drin!
    - Erst das Gehäuse und dann das Planetengetriebe abnehmen
    - Drei Schrauben des Lenkwinkelsensors !!VORSICHTIG!! (die dürften fast immer gut festgegammelt sein) lösen und die Blechabdeckung entfernen.
    - Lenkwinkelsensor wieder vorsichtig mit leichten Drehbewegungen lösen
    - Kronenmutter lösen
    Wer kein passendes Werkzeug hat:
    - 30er Rohr nehmen, vier Zapfen mit je 5,2mm Breite Fräsen - Platte hinten dran schweißen, in der ein 12,6er Vierkantloch rein gefräst ist (Ecken mit 3,5mm ausgebohrt - Abstand 6,75). Mit dem Schlagschrauber die Mutter lösen. Gibt am wenigsten Ärger mit vernudelten Muttern.

    Unter dem Lenkwinkelsensor befindet sich der Magnet, mit dem die Drehbewegung registriert wird.
    Dieser wird VORSICHTIGST mit einer Kombizange (Eine Fläche muss an der kleinen Flachstelle anliegen - die andere an der gegenüberliegenden Rundung) gelöst und per Hand herausgeschraubt.
    Ist der entfernt, geht es mit der "gröberen" Arbeit weiter...

    - Mit einer 17er Nuss die Mutter lösen, die sich unter dem Magneten versteckt hat
    - Lenkspindel nach oben heraus ziehen
    - Rillenkugellager (Typ 6201LB, Hersteller NTN - sollte aber auch ein "6201-2RSH" passen. Lagermaße: 12x32x10) nach unten heraus klopfen

    Das ist jetzt mal mein aktueller Stand.
    Was noch fehlt:
    - Sprengring der Beifahrerseite entfernen
    - (vermutlich) Abdeckung der Beifahrerseite aus dem Lenkgetriebe entfernen und dann die Zahnstange raus nehmen.

    (Fotos kommen gleich)
    Bilder
    • IMG_20190218_174719.jpg

      1,48 MB, 3.175×2.381, 13 mal angesehen
    • IMG_20190218_174841.jpg

      1,86 MB, 1.936×2.581, 21 mal angesehen
    • IMG-20190217-WA0003.jpeg

      1,32 MB, 2.240×3.968, 18 mal angesehen
    • IMG-20190218-WA0005.jpeg

      1,37 MB, 2.240×3.968, 16 mal angesehen
    • IMG-20190218-WA0015.jpeg

      767,13 kB, 2.240×3.968, 16 mal angesehen
    • IMG-20190218-WA0007.jpeg

      798,73 kB, 2.240×3.968, 14 mal angesehen
    • IMG-20190218-WA0009.jpeg

      595,84 kB, 2.240×3.968, 16 mal angesehen
    • IMG_20190218_174804.jpg

      1,79 MB, 2.581×1.935, 20 mal angesehen

    Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von freakmaster ()

  • Fast vergessen:

    Die "Klemmung" der Zahnstange kann man natürlich auch entfernen.
    Der Deckel ist über "eingeschlagene" Gewindegänge geklemmt, dass er sich nicht von alleine verstellt.

    Kann mit einer 17er Nuss und !langer! Ratsche vorsichtig gelöst werden.
    Der Deckel ist aus Alu - also bitte wirklich nicht mit Gewalt sondern langsam und gefühlvoll öffnen, so dass die Gewindegänge nicht komplett ruiniert werden...
    Wenn der Deckel runter ist, kann man den Dichtring mit einer Pinzette raus holen und dann mit einer kleinen Spitzzange den Kolben raus holen.
    Bilder
    • IMG_20190218_201233.jpg

      1,94 MB, 2.084×2.778, 18 mal angesehen
    • IMG_20190218_201225.jpg

      1,83 MB, 2.084×2.778, 16 mal angesehen
  • CCC88 schrieb:

    Danke. :anbet:
    Man sieht selten soviele Erklärungen und Bilder zu solchen Reparaturen :top:
    Gerne :)

    Slider schrieb:

    Hut ab dass dich an diese Arbeit ran traust, bin gespannt auf die weiteren Schritte!
    Ist kein Hexenwerk ;)
    Einfach mit etwas Gefühl arbeiten, dann geht das schon.
    Mein Problem ist gerade dieser bescheuerte Sprengring auf der Beifahrerseite.

    Das ganze Lenkgetriebe muss mal im Wasser gelegen sein...
    Der Ring ist ordentlich reingegammelt, in dem Bereich des Magneten hatte sich ein dermaßener Schmodder aus Hydraulikflüssigkeit & Wasser angesetzt - nicht mehr feierlich <X
    Heute wird nochmal versucht den Sprengring zu entfernen - mal schauen, welches Werkzeug ich dafür basteln darf :maul:

    /edit: Ich mache mir übrigens keine Illusionen, dass ZF die Kunststoffbuchsen rausrückt.
    Momentaner Plan sieht vor, die Buchsen selbst zu drehen, sofern sie defekt sind. Das wird dann etwas Testerei...

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von freakmaster ()

  • Weiter gehts :)

    Den vergammelten Sprengring hab ich mit etwas "zärtlicher Überredungskunst" raus bekommen. X( :saint:
    Wenn der raus ist, kann die Zahnstange raus gezogen werden...

    Dann habe ich heute noch zwei Simmerringe raus operiert und ein Lager gezogen.



    Für die Doku hier die Maße / Bezeichnungen der drei Teile:

    Simmerringe 2x:
    Maße: 28x38x7 mm (Innen, Außen, Höhe)
    Hersteller Nr.: ZF 0770 080 486
    Mögliche Alternativen !!NOCH IN KLÄRUNG!!: W28-38-7 BASLVIT // W28-38-7 BASL




    Rollenlager:
    Maße: 28x35x7.5 mm (Innen, Außen, Höhe)
    Hersteller: INA
    Nr.: F-222253
    Alternativnummern: 7830 327 115 ZF, 028-0080-002-064 TRW, 8D0422313 VW



    Ein Simmerring hat sich massiv gesträubt.
    Fräse + Wohlhaupter = Ausspindeln => :kap:


    Schwierig wird es wie erwartet mit den Simmerringbuchsen - eine davon sitzt im Gehäuse des Lenkgetriebes und eine in dem Deckel, den man entfernen kann, nachdem der Sprengring raus ist...
    Bei dem und bei dem Kolbenring bin ich in Kontakt mit einem Kumpel, ob er da ne Idee hat.
    Ansonsten werde ich es definitiv mal bei ZF probieren...




    /edit:
    O-Ring unter den Faltenbälgen ist übrigens ein 46x2 (ID x SchnurDM)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von freakmaster ()

  • Drehmomente, die ich herausfinden konnte:

    Hohlschraube(n) der externen Leitungen: 20 Nm
    Inbusschrauben für oberes Teil an Planetengetriebegehäuse und Planetengetriebegehäuse an Zahnstangengehäuse: 17 Nm
    Elektromotor an Planetengetriebegehäuse: 5.5 Nm
    Lenkwinkelsensor an Zahnstangengehäuse: 4.5 Nm
    Sperraktuator an Planetengetriebegehäuse: 8.5 Nm
    Servotronicventil: 2.9 Nm (nacheinander in mehreren Schritten)
  • Nächste Runde :)

    Sezialwerkzeug gebastelt:

    30er nahtloses Präzisionsrohr, auf der Bandsäge abgesägt und kurz überfräst, um einen 90° Winkel zur Rohrachse zu haben.
    Das ganze auf der Hydraulikpresse einmal durch den Deckel gedrückt - dabei die Augen zu machen und hoffen, dass das Ding am Stück raus kommt :D:D

    Das ergibt dann folgende drei Teile (+Werkzeug):



    Simmerring (heißt bei ZF wohl "Stangendichtring"):
    Maße: 28x38x7 mm (Innen, Außen, Höhe)
    Hersteller Nr.: ZF 7852 033 172



    Die Schrift auf der Kunststoffbuchse ist leider nicht mehr lesbar :(
    Ich versuche mal noch mit Scanner, Belichtung etc. zu spielen... Vllt. kann man ja doch noch etwas erkennen





    Das Rohr sollte auch recht gut für die Buchse im Zahnstangengehäuse geeignet sein - leider hat meine Presse zu wenig Durchlass, um Gehäuse + Rohr gerade rein zu bekommen...
    Muss wohl auf eine Zahnstangenpresse eines Kumpels ausweichen, der aber immer beschäftigt ist... Wird also wohl leider ein paar Tage dauern.
  • Gerne :)

    Um ausführlich zu bleiben:
    Demontage des inneren Simmerrings habe ich mit einem ca. 30 cm. langen 30er Präzisionsrohr und einer Drehdornpresse gemacht, weil meine Hydraulikpresse zu klein war.
    Lenkgetriebe auf den Boden gestellt, das 30er Rohr von der Linken Seite (Fahrerseite) ins Lenkgetriebe rein und darauf dann noch eine entsprechende Verlängerung, damit der Platz unter der Drehdornpresse komplett gefüllt war.
    Wir habens erst mit viel Gefühl probiert, um die Buchse nicht zu beschädigen aber leider hatte die zu viel Platz, um sich zu bewegen.
    Um die zerstörungsfrei raus zu bekommen, hätte das Rohr als Dorn ausgeführt werden müssen, um die Buchse innen zu stützen...

    Morgen werd ich mal versuchen, die Teile bei ZF zu bestellen.
    Bin gespannt, was die sagen.
  • Prima Thread und danke für die Teilhabe. ;) Was hast du für Symptome? Häufig ist das Problem ja Spiel in der Lenkung. Und das kommt bei der AL ja gern aus dem Planetengetriebe. Siehst du da auch eine Möglichkeit der Revision oder beschränkst du dich auf den Zahnstangenteil?
  • Ich habe die Aktivlenkung bei mir ja nachgerüstet.
    Mir wurde das Lenkgetriebe, das ich eingebaut habe, als "einwandfrei in Schuss" verkauft.
    Nach dem Einbau hat es sich jedoch als undicht und spielbehaftet herausgestellt...

    Da ich noch ein zweites Lenkgetriebe für die Aktivlenkung auf Lager liegen habe, wird das jetzt hergerichtet und dann eingebaut.

    leifi schrieb:

    ...Spiel in der Lenkung. Und das kommt bei der AL ja gern aus dem Planetengetriebe...
    Das glaube ich in diesem speziellen Fall tatsächlich nicht.
    Das Planetengetriebe (bzw. eines der drei Planetenräder) ist Feder-Vorgespannt. Sollte also theoretisch immer auf Kontakt liegen.
    Wenn da so viel Verscheiß entstanden ist, dass die Federvorspannung nicht mehr ausreicht, müsste vorher schon etwas anderes den Geist aufgegeben haben.

    Soweit ich den Aufbau überblicke, dürfte der meiste Verschleiß in der Kombination Zahnstange./.Spindel entstehen.
    Die beiden Achsen von Zahnstange und Spindel sind konstruktionstechnisch bereits mit einem gewissen Spiel (Stichwort Herstellungstoleranz) erstellt worden.
    Anders ist das nicht problemlos möglich, da man sonst eine von beiden Achsen exzentrisch verstellbar konstruieren müsste.

    Dieses Spiel wird durch den "Kolben", der an die Zahnstange gepresst wird, minimiert.
    Bis zu einem gewissen Prozentsatz wird die Zahnstange damit an die Spindel "gedrückt / gebogen".
    Wenn jetzt der Verschleiß zum Tragen kommt, reicht diese Vorspannung nicht mehr aus. Das Spiel wird größer und der Kolben hat dann nur noch eine "bremsende" Wirkung (Wenn "Bremswirkung" zu gering und Spiel zu groß -> Flattern in der Lenkung).
    Das spürt man dann als "Umkehrspiel" im Lenkrad.
    Was man machen kann: Den Kolben etwas mehr gegen die Zahnstange pressen ("Lenkgetriebe nachstellen").
    Das ist natürlich auch nur wieder in relativ engen Bereichen möglich.
    Ist das Spiel zu groß und man stellt trotzdem massiv nach, ist die Reibung aufgrund des Anpressdrucks zwischen Kolben und Zahnstange so groß, dass die Lenkung wiederum zu schwer geht.
    Um die grundsätzliche Reibung zu minimieren, ist der Kolben mit einem "Gleitbelag" ausgestattet -> Siehe Bild oben.

    Einzige Lösung für das Problem sehe ich im Ersatz der Zahnstange bzw. dem unteren Spindelteil.
    Eine Reparatur ist natürlich auch möglich aber das macht nicht wirklich Spaß - außer man hat mindestens eine anständige Drehbank, eine Zahnrad-Abwälzfräsmaschine, eine Rundschleife und kann vernünftig härten.

    Ich warte übrigens derzeit noch auf Rückmeldung von dem Händler, bei dem ich angefragt habe, ob er mir die Teile bestellen kann...
    Grundsätzlich war der mal nicht abgeneigt, mir die Teile nach Nummer zu bestellen. Die Buchsen habe ich allerdings bewusst noch nicht angefragt.
  • Sooooo, mal wieder ein Update.

    Das 6201-2RSH RiKuLa ist bestellt und auf dem Weg.
    Das F-222253 ist auch bestellt (aus UK), jedoch noch nicht auf dem Weg - teurer Spaß -.-

    Wegen der Simmerringe haben mir mittlerweile mehrere Händler abgesagt, weil sie "die Teile nicht verkaufen dürfen, da sie aus einem Lenkgetriebe stammen".
    Also heißt es: Alternativen suchen...
    Für zwei habe ich mittlerweile auch Alternativen gefunden und bestellt:

    Ersatztabelle:
    ZF 7852 033 168 // CORTECO 01030481B
    ZF 0770 080 486 // CORTECO 01027786B

    Sobald die eingetroffen sind, gibt's Fotos. Ich hoffe sie passen wirklich...

    Beim letzten (ZF 7852 033 172) suche ich noch...
  • Nach viel Suchen habe ich einen weiteren Lieferanten für alle drei Varianten gefunden:

    power-steering-racks.com

    Teilenummern:
    ZF 0770 080 486 // F-00142
    ZF 7852 033 168 // F-00492
    ZF 7852 033 172 // F-00589

    Anbei mal noch eine Explosionszeichnung eines ZF Lenkgetriebes für den E60 !OHNE AKTIVLENKUNG!
    Ist aber ganz Hilfreich, um den Aufbau zu verstehen :)
    Bilder
    • G0AAAgP-gOA-1920.jpg

      483,29 kB, 1.500×1.066, 31 mal angesehen

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von freakmaster ()

  • Weiter geht's :)

    Thema Kunststoffbuchsen:

    Innere Buchse:
    Maße: 28*30*38,7*2,5*15,5 (Bohrung, kleines Außenmaß, großes Außenmaß, Höhe des Außenrings, Gesamthöhe)
    ZF Teilenummer: unbekannt
    Alternativen: HLV00054

    Äußere Buchse:
    Maße: 28*30/37,7*,8/14,8 (Bohrung, kleines Außenmaß, großes Außenmaß, Höhe des Außenrings, Gesamthöhe)
    ZF Teilenummer: ZF 7852 035 131
    Alternativen: HLV00014

    Gleitbelag:
    Maße: 30.5*37*16
    ZF Teilenummer: ZF 7852 040 243
    Alternative: HLP00032 / L10140

    Lieferanten für beide Buchsen habe ich bereits gefunden, jedoch warte ich noch auf eine Freischaltung, dass ich bestellen darf.
    Ich befürchte jedoch, dass die nur an Gewerbe verkaufen - wird noch geklärt.
    Sollte ich die Buchsen auch in Russland nicht bekommen, wird die Drehbank angeworfen.
  • Die ersten Teile trudeln ein :)
    - RiKuLa von SFK
    - Innerer Simmerring
    - Simmerringe für die Lenkspindel

    Über das hier darf sich jeder selber seine Gedanken machen / Meinung bilden :X


    Wers übrigens selber machen möchte und keinen Bock auf die Suche nach Lieferanten hat:
    Ich hab bei den Simmerringen jeweils n paar mehr bestellt...
    Wenn ich die Buchsen bestellen darf, bestell ich da natürlich auch gleich n paar mehr mit.