Dieses Verhalten ist bei jeder Wandlerautomatik normal, in diesem Geschwindigkeitsbereich auch in diesem Umfang.
Die Aussage der Schlupf entstehe im kalten Zustand in den Lamellenpaketen/-kupplungen ist aber falsch. Der Schlupf entsteht immer(!) im Drehmomentwandler.
Jeder der weiß wie ein Drehmomentwandler funktioniert und wie hier überhaupt Kraftschluss hergestellt wird stellt schnell fest, dass hier die Viskosität des Getriebeöles eine recht hohe Rolle spielt. Darum gibt es hier so große Unterschiede im kalten und warmen Zustand.
Wenn die Lamellenkupplungen nur teilweise geschlossen wären, würde solch ein Getriebe keine 10.000 km überstehen. Wohl nichtmal im Ansatz. Auch wenn das Ganze nur im kalten Zustand "geschaltet" wäre, überlegt mal, wie viele Kilometer jedes Auto im kalten Zustand zurücklegt. Schlupf im Kupplungspaket macht sich sofort durch Geruch und regelrecht brutalen Abrieb bemerkbar, dass sollte unter allen Umständen vermieden werden.
Zudem: vor allem bei älteren ZF Automaten werden die Lamellenkupplungen über herkömmliche Magnetventile geschaltet, d.h. es gibt nur ganz oder ganz zu. Erst später wurde auf s.g. EDS Ventile umgestellt, damit können gezielt Überschneidungsschaltungen gesteuert werden, aber nur beim Gangwechsel - nicht im Fahr- bzw. s.g. Zugbetrieb. Ältere Getriebe hatten nur ein EDS Ventil: nämlich jenes, welches den Betriebsdruck regelt. Auch Druckregler genannt.
Bei kaltem Getriebe arbeitet der Drehmomentwandler einfach nicht ganz so effizient wie im warmen Zustand, das macht sich schon bemerkbar. Erst ab dem Punkt, bei dem die Wandlerüberbrückungskupplung geschlossen wird (i.d.R. herkömmliche Reibkupplung, analog Schaltgetriebe, wird nur hydraulisch gesteuert) ist kein Schlupf mehr vorhanden. Auch die WÜK kann stufenweise geregelt werden, erst wenn sie ganz geschlossen ist hat man das gleiche Fahrgefühl wie im Schaltwagen.
Man kann einen Drehmomentwandler mittels der s.g. Festbremsdrehzahl auf Funktion prüfen. Der Test läuft folgendermaßen ab: Fahrzeug im Stillstand auf "D" bzw. "M 1" schalten damit der erste Gang eingelegt ist, Fußbremse voll betätigen, gleichzeitig Gaspedal voll niedertreten - inkl. Kickdown. Nun bleibt die Drehzahl bei der Festbremsdrehzahl hängen. Sollwerte - mit rund 300 U/min Toleranzspanne - sind wohl dem TIS zu entnehmen, zumindest bei älteren Automaten.
Ansonsten gibt es da eigentlich keine Bauteile, die so etwas verstärkt hervorrufen könnten. Wenn mal tatsächlich Schlupf in den Kupplungen herrschen sollte regelt die Getriebesteuerung sofort nach und erhöht den Druck, dass der Schlupf unterbuden wird. Schafft die Steuerung den Ausgleich auch durch Anpassungen nicht, geht sie in das Getriebeprogramm inkl. Fehlereintrag.
Schlupf entsteht innerhalb im Getriebe nur während einem Schaltvorgang - hier in der Tat unvermeidbar, ansonsten passiert aber alles im Wandler. Kann man auch auslesen/messen, das Getriebe verfügt über einen Drehzahlsensor an der Turbine des Wandlers und eine am Abtrieb. Zusätzlich hat man noch die Drehzahl der Kurbelwelle = des Motors.
So sieht man schön, dass Motor- und Turbinendrehzahl lange nicht synchron sind, Turbinen- und Abtrieb aber genau im Verhältnis der Übersetzung im jeweiligen Gang stehen. Ohne Abweichung. Erst wenn die WÜK geschlossen ist, sind die Drehzahlen von Motor und Turbine 100% synchron.
